Divus Julius – zur Wikipedia


de tabanis quibusdam molestis


Die Wikipedia ist bekanntlich eine Pseudo-Enzyklopädie. Schon der Name verdeutlicht es: Wiki soll für Quicki stehen, in der Sprache der nicht unbedingt für klassische Bildung berühmten Insel Hawaii. Schön wäre es, wenn es auf Deutsch wenigstens Viki hieß, oder gar Fiki, aber leider nicht: den „Quickie“ muss man sich schon selber denken – obwohl der Gründer sein Projekt auch mit Pornographie finanziert haben soll: Die Branche gewechselt, dem Obszönen treu geblieben.

Die Wikipedia ist insofern eine obszöne Pseudo-Enzyklopädie, weil dort, nomen est omen, jeder schnell irgendwann hinein schreiben kann, was ihm gerade einfällt. Da kann sozusagen jeder Mongoloide über die Mongolei schreiben, und es wird begrüßt und gefördert. Weil dann ein jeder andere den Erstschreiber korrigieren kann, soll am Ende alles doch gut werden. Der Mongoloide wird von einem echten Mongolen verbessert, und der Artikel über die Mongolei ist dann in Ordnung. So die Theorie. In der Praxis aber ist es nicht auszuschließen, dass der Erstschreiber ein echter Mongole war, und dass er überschrieben wird vom Mongoloiden. Das passiert immer, wenn es um sensible Themen geht, wo die Ordnungshüter der Gesellschaft – sagen wir mal die Mongologen –, alle Artikel, die mit ihrer lieben Mongolei zu tun haben, regelmäßig überschreiben, damit da nichts Gefährliches steht: organisierte, akribische, raffinierte, rabiate Cerberi. Das rechtefertigen sie damit, dass die Mongolen ja befangen seien, sie aber ganz objektiv und selbstlos.

Oh, nicht dass wir etwas dagegen hätten. Ordnung muss sein, ist ein Wert an sich, und die schlimmste Ordnung ist à la longue erträglicher als das schönste Chaos. Es soll aber nicht heißen, dass wir die Existenz der Wikipedia damit rechtfertigen wollten oder gar begrüßen. Den Verdacht werden wir nicht los, dass ihre Hauptfunktion die sei, Informationen über alle möglichen Leute zu sammeln, insbesondere Lebende, geflissentlich von anonymen Denunzianten eingespielt, womit sie dieselbe Aufgabe erfülle wie einst die Inquisition. Deswegen haben wir uns besonders gefreut, als sich die englische WP neulich selbst verdunkelt hat – leider nur für 24 Stunden: länger oder gar für immer wäre uns schon lieber gewesen.

Es trifft sich nämlich, dass wir etwas geschrieben haben über „Genghis Khan als den historischen Jesus“, was der communis opinio zuwiderläuft, und da in der WP bestenfalls nur die stehen kann – wenn davon abweichend, dann noch schlimmer –, wären wir von allein nie und nimmer auf die Idee gekommen, irgendetwas über unsere Studien in die Wikipedia zu setzen. Wir haben nie in der WP geschrieben, keinen Artikel je angelegt oder angeregt, nicht einmal an einem bereits existierenden mitgearbeitet. Auch lesen wir keinen Artikel aus der Wikipedia, aus dem einfachen Grund, dass die Kollegen vom Fach, in dem wir nun mal im Moment tätig sind – Alte Geschichte – die Wikipedia für absolut unzuverlässig halten. Am schlimmsten finden sie, dass ab und zu doch etwas korrektes dabei ist, was natürlich die Ahnungslosen dazu verleitet, auch dem überwiegend unzuverlässigen Rest Vertrauen zu schenken. Damit wird Unfug in Umlauf gesetzt, und zwar so, dass es nicht mehr zu korrigieren, geschweige denn zu löschen ist, denn das Internet vergisst nichts: Die Archivierungsmaschinen sorgen dafür.

Aber leider haben auch wir Freunde – Gott schütze mich vor meinen Freunden! – und die kamen auf die glorreiche Idee, ein Lemma über uns ausgerechnet in die Wikipedia zu setzen, nicht ahnend, dass dort die Wachhunde der fabulierenden Orthodoxie alle Schlüsselpositionen besetzt halten, von den Platzhirschen bis zu den Administratoren bestens gestaffelt. Und so kam es, wie es kommen musste: Zuerst schrieben die „Freunde“ ein paar nichtssagende Zeilen über unsere Mongolei, aber die waren schon Provokation genug, um die Ordnungshüter auf den Plan zu holen, zuerst die Mongoloiden, die ohne Kopf und Verstand alles verstellten, und dann die Mongologen mit eigener Agenda, die es professionell verschlimmbesserten. Hauptsache es wirkte alles negativ, damit die Leser, die sich dorthin verirren, davon abgeschreckt werden, sich weiter zu informieren: Pseudo-Information zwecks Desinformation, Wikipedia-Artikel als Kondom.

Zwischendurch hatten sie auch versucht, den Artikel zu streichen. Weil aber die Wikipedia hier sehr konservativ ist – wo bliebe denn die Inquisition, wenn die Inquisitionsakten vernichtet werden? – hatten sie keinen Erfolg, und gaben auf, vielleicht auch weil sie merkten, dass das Löschen den Inquisiti eigentlich genehm wäre.

So blieb es bei dem Kondom und der Desinformation. Und weil auch den „Freunden“ die Lust vergangen war, herrschte eine Weile Ruhe in der Mongolei.

Leider nicht für immer. Denn jetzt kam ein unverbrauchter neuer Redakteur auf die ungeheurliche Idee, die Artikel zu verbessern, darauf vertrauend, dass sich die Gemüter abgekühlt hätten und sich Qualität vielleicht doch durchsetzen würde. Eine naive Idee, wie sich herausstellte, denn die Mongologen ließen nicht lange auf sich warten, ließen ihre Schafe alles abgrasen, und verwandelten schon wieder den mühsam angelegten Garten in die gewohnte Steppe.

Wen es interessiert, für den wurden nun als Abhilfe die letzten halbwegs unversehrten Fassungen gespiegelt und hier veröffentlicht. Wer lieber die mongologische Fassung lesen will, der gehe in die Wikipedia, wie gewohnt.

Es soll aber klar sein, dass wir uns von allen Inhalten eines jeglichen pseudo-enzyklopädischen Artikels, nicht nur in der Wikipedia, sondern auch sonst wo, der über uns geschrieben wurde und wird, distanzieren. Darin steht meist falsches, undokumentiertes, gezerrtes, zurechtgezimmertes, erfundenes, während wesentliches gerne übersehen oder gar bewusst unterdrückt wird.

Es ist schon deswegen alles daneben, weil Biographie und sonstige Informationen überhaupt nichts zur Sache tun. Das einzig wichtige im Falle einer Forschung ist nicht der Forscher, sondern die Forschung selbst, d.h. die Texte, die Bücher und die Artikel, und die stehen nicht in den Enzyklopädien, ob fiki oder nicht. Wie ein chinesisches Sprichwort sagt: Wenn der Weise auf den Mond zeigt, schaut der Einfältige auf den Finger. In der Wikipedia steht bestenfalls der Finger – aber auch dieser nur aus der Sicht des Einfältigen.

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NB: Wir entschuldigen uns hiermit ausdrücklich bei den Menschen mit Trisomie 21 sowie den Bürgern der Mongolischen Republik für die Nennung im Zusammenhang mit der Wikipedia. Wir verstehen durchaus, dass es sie beleidigen kann. Wir können ihnen versichern: Sie sind nicht gemeint, es ist nur eine Metapher, wie wenn man von „Vandalen“ spricht – z.B. jene, die in der Wikipedia vandalieren –, und man meint nicht das germanische Volk oder gar die Andalusier. Wir halten viel von Genghis Khan, und würden uns schon wünschen, dass er wieder kommt – z.B. um bei der Wikipedia aufzuräumen.