Re: 2100?


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Abgeschickt von F.C. am 12 Juli, 2000 um 10:35:49:

Antwort auf: 2100? von Astrid Drescher am 12 Juli, 2000 um 10:33:48:

[E-Mail vom 28. Juni 2000]

Liebe Frau Drescher,

Zu Ihrer E-Mail vom 27. etwas Punktuelles:

: "Ich las die Beschreibung eines Triumphzuges am Beispiel von Marius Triumph. Vergleichbar unseres Karnevalszuges an Rosenmontag, schrieb der Autor H.D. Stöver. (Seine Vergleiche sind immer bissig, humoristisch)."
Dieser Vergleich ist vielleicht gar nicht humoristisch. Da die Karnavalsumzüge dem liturgischen christlichen Kalender folgen – sie kommen vor der Fastenzeit und werden von dieser jäh beendet – ist es nicht abwegig anzunehmen, daß sie die Kommemoration von Caesars Triumphzüge darstellen, der danach getötet wird. Man darf nicht vergessen, daß die Liturgie des Divus Julius zuerst in der Begehung seiner Siege bestand. Demnach sind die Karnavalsumzüge höchste Liturgie: Die Pfarrer, die daran Anstoß nehmen, sind ahnungslos, ahnungsloser als das Volk jedenfalls.

: "Was ist denn unsere Fronleichnamsprozession? Auch ein Triumphzug?"
Fronlechnam ist als kirchliches Fest nicht alt: Erstmalig 1246 in Lüttich auf Grund einer Vision der dortigen Nonne Juliana gehalten, wollte es das Abendmahl des Gründonnerstag nachösterlich wiederaufgreifen, also in freudiger und nicht mehr bedrückter Stimmung. Deswegen wird es auch am ersten freien Donnerstag nach Abschluß der 50tägigen Osterfeier angesetzt. Zum allgemeinen Fest machte es 1264 Papst Uraban IV., der ehemals Archidiakon von Lüttich gewesen war. Das Fest verband sich erst langsam mit der aus dem Flurgang entstandenen Sitte, die Eucharistie auf Straßen und Plätzen hinauszutragen. Die evangelische Kirche verwirft das Fronleichnamsfest als schriftwidrig – womit sie sittenwidrig wird. Da es sich ursprünglich um eine römische Sitte handelte (cf. Riten der Arvales fratres) sind die germanisch und antirömisch orientierten protestantischen Kirchen konsequent.
Es würde mich nicht wundern, wenn darin auch etwas vom berühmten Göttermahl des Augustus eingegangen wäre, der mit der Eucharistie insofern etwas zu tun hat, als er sich in Eleusis zum Demeter-Kult hatte iniziieren lassen. Was zum kaiserlichen Programm paßte: Nach den "circenses" des Karnavals das "panem" von Fronleichnam – womit der Osterzyklus anfängt und endet.

: "Es ist mir jetzt leider nicht mehr präsent, ob Sie darauf hinwiesen, dass der Tag, an dem man die BONA DEA feierte, der 1. Mai war. Noch eine Parallele."
Meines Wissens fand die nächtliche Geheimfeier der Bona Dea Anfang Dezember statt; am 1. Mai war das Fest der Maia – was die Parallele nicht unbedingt mindert.

Ciao

Francesco Carotta

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Nachtrag:

[…]
Sie lesen gerne Romane: Haben Sie Plutarch schon gelesen? (die Vitae Parallelae, insbesondere Caesar, Antonius, Brutus, Cassius, Cicero, Marius, Sulla, die Gracchen, Romulus, Numa ·), Sueton (Divus Iulius, Divus Augustus, Vespasian ·) Appian (der Bürgerkrieg), Cassius Dio (Historiae Romanae), Velleius, Tacitus, · Die lesen sich doch wie Romane, oder? Eigentlich sind es die Romane, die die Romanciers lesen.
[…]

Guten Morgen noch einmal

Francesco Carotta



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